• Endlichkeit

LEBEN UND TOD: Grenzgänge – Mensch vs. Maschine?

Wo früher eine Kerze angezündet wurde oder eine ernstgemeinte Umarmung Trost spendete, kommen heute immer häufiger virtuelle Räume, digitale Gedenkseiten oder Chat-Bots zum Einsatz, um trauernde Menschen zu unterstützen. Aber ist das immer richtig? Welche Chancen bieten künstliche Intelligenzen und wo brauchen wir ethische Grenzen?

Unter der Überschrift „Grenzgänge“ diskutieren Expertinnen und Experten auf der LEBEN UND TOD am 16. und 17. Oktober 2026 in der SICK-ARENA in Freiburg genau dieses Spannungsfeld: zwischen bewährten Ritualen und technologischen Innovationen, zwischen spiritueller Tiefe und digitaler Effizienz, zwischen Nähe und Distanz.

Seit über 16 Jahren ist die LEBEN UND TOD ein bundesweit einzigartiger Ort für Austausch, Fortbildung und Begegnung rund um Sterben, Tod und Trauer. Fachkräfte aus Hospiz- und Palliativarbeit, Pflege, Seelsorge, Bestattungskultur und Trauerbegleitung treffen hier auf Betroffene, Angehörige und Interessierte – verbunden durch die gemeinsame Frage, wie Abschied menschlich gestaltet werden kann.

Das Fortbildungsprogramm 2026 greift die Grenzgänge unserer Zeit in vielfältiger Weise auf. Prof. Dr. Jessica Heesen von der Universität Tübingen, Expertin für Digital Afterlife Phänomene, hinterfragt in ihrem Vortrag kritisch das Angebot von KI-Diensten, die eine Kommunikation mit digitalen Imitationen Verstorbener über deren Tod hinaus versprechen. Der bekannte Ethiker Prof. Dr. Giovanni Maio stellt die These auf, dass „KI nicht alle Probleme lösen kann“. Er betont die Bedeutung menschlicher Kontrolle über die Anwendung der KI-Resultate. „Die KI kann ein nützliches Werkzeug sein“, so Prof. Dr. Maio, „aber der Mensch mit seinem ethischen und moralischen Kompass muss stets die Entscheidungshoheit behalten.“

Einen ebenfalls spannenden Fokus setzt Prof. Dr. Elisabeth André, Professorin für Informatik und Gründerin des Lehrstuhls für Menschzentrierte Künstliche Intelligenz an der Universität Augsburg. In ihrem Vortrag stellt sie die Frage, ob Künstliche Intelligenz wirkliche Empathie entwickeln kann oder ob sie lediglich glaubhaft wirkt, weil sie soziale Signale verarbeitet und scheinbar einfühlsame Reaktionen erzeugt.

Aber der Schwerpunkt „Grenzgänge“ beinhaltet noch andere Themengebiete, die auf den ersten Blick zuweilen ungewöhnlich erscheinen. Dr. Michael Nahm, Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg, forscht zu Lebensende- und Nahtoderfahrungen. In seinem Vortrag über terminale Geistesklarheit beleuchtet er das Phänomen, dass Menschen, die seit längerem verwirrt, dement oder komatös waren kurz vor dem Tod wieder ungewöhnlich klar bei Verstand werden können. Und obwohl diese Tatsache schon seit dem Altertum bekannt ist, finden systematische Untersuchungen erst seit wenigen Jahren statt.

Und auch das Thema „Assistierter Suizid“ soll wieder Teil des Programmes sein. Prof. Dr. Reinhard Lindner, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Leiter des Nationalen Suizidpräventionsprogrammes, stellt die Grundprinzipien der Suizidprävention vor, während Susanne Kränzle, Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes mögliche Konflikte in der ambulanten und stationären Hospizarbeit beleuchtet und Lösungswege aufzeigt.

Mit dem „Ideen.Campus“ bietet die LEBEN UND TOD unter der Trägerschaft von Flamarium Saalkreis bis zu sechs jungen Gründer:innen die Gelegenheit, innovative Ideen, Dienstleistungen oder Produkte zu präsentieren und zu vertesten. Der „Ideen.Campus“ versteht sich nicht als klassischer Startup-Bereich, sondern als Diskurs- und Möglichkeitsraum: für neue Produkte ebenso wie für Konzepte, Bildungsangebote, künstlerische Ansätze oder digitale Anwendungen, die unser Verhältnis zur Endlichkeit reflektieren und neu denken.

Ein besonderer Akzent setzt erneut das Abendprogramm. Hier begegnen die Besucher:innen „dem Tod“ – leibhaftig auf der Bühne. Mit der „Best of Death Comedy“ erhält die Figur des Todes eine Stimme, ein Gesicht und überraschend viel Humor. Zwischen schwarzem Witz, feiner Ironie und existenzieller Tiefe entsteht ein Abend, der entlastet, berührt und zeigt: Auch das Lachen hat seinen Platz, wenn es um die letzten Dinge geht.

Meike Wengler, Gründerin und Leiterin der LEBEN UND TOD, beschreibt die Intention des diesjährigen Schwerpunktthemas so:„Wir stehen an einer Schwelle. Noch nie hatten wir so viele technische Möglichkeiten, Abschied und Erinnerung neu zu gestalten. Aber nie war auch die Sehnsucht nach echter menschlicher Nähe so groß. Mit dem Thema ‚Grenzgänge‘ laden wir dazu ein, gemeinsam zu erforschen, wie Tradition und Technologie zusammenwirken können – ohne dass die Menschlichkeit verloren geht.“

Die LEBEN UND TOD versteht sich damit einmal mehr als gesellschaftlicher Resonanzraum für ein Thema, das uns alle betrifft – leise, respektvoll und mitten im Leben.

Datum & Uhrzeit

16. Okt. 26 – 17. Okt. 26

Location

Messe Freiburg
79108 Freiburg im Breisgau

Preis

ab 12€
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